Vier Brüste und ein halbes Schwein

„Würde es Dich sehr stören, wenn ich mir heut Nacht Detoxpflaster unter die Füße kleben würde?“

„Wenn Dich das glücklich macht.“

„Und Du liebst mich trotzdem?“

„Von mir aus kannst Du Dir ein halbes Schwein unter die Füße kleben.“

Viel mehr kann man von einem Mann nun wirklich nicht verlangen. Wenn er ohne Weiteres bereit ist, ein halbes Schwein im zukünftigen Ehebett zu dulden, wird man wohl davon ausgehen können, dass es sich um eine echte Liebesheirat handelt.

Und da ich immer noch finde, dass zu einer echten Liebesheirat eben auch ein echtes Brautkleid gehört, habe ich mich – inzwischen erholt von den Begegnungen mit Daphne und Marlene – erneut auf die Suche nach etwas Geeignetem gemacht. Fündig wurde ich im WWW und so ganz genau weiß ich immer noch nicht, auf welchem Kontinent sich der Firmensitz des Versandes befindet, über den ich letztendlich das „Vintage Inspired Military Ball Dress“ bezog. Weit genug weg jedenfalls, dass Rücksendungen aufgrund einer suboptimalen Passform irgendwie nicht so Bestandteil der Firmenphilosophie sind.

„Das macht Dir Herr Caklo“ rief meine praktisch veranlagte Mutter aus und schleppte mich umgehend samt Kleid zur nahe gelegenen Änderungsschneiderei von Abdulaziz Caklo.

Nach einem fröhlichen „guten Morgen, in 10 Tagen heirate ich, da müsste nur noch eine Kleinigkeit angepasst werden“ wurde ich sofort zur Umkleide gewedelt, um dann kurz darauf in vollem Ornat kritisch beäugt zu werden.

„Da muss man hier… und da sowieso… ja das ginge… aber so auf keinen Fall….äh, das probiert man im Laden doch mal an, bevor man das kauft!“

„Hab’s aus dem Internet.“

Die darauf folgende Stille währte nur kurz und wich sofort wieder professioneller Betriebsamkeit sowie einem überzeugten „das kriegen wir hin, ich mach Dich glücklich – komm Mittwoch wieder.“

Das tat ich dann auch…

„Ist zu eng, musst Du BH ausziehen.“

Wie sich herausstellte, war nicht mein BH Schuld an dem Dilemma, sondern die vorn im Kleid eingearbeiteten Soft-Cups, die meinem Brustumfang nur bedingt gewachsen waren, sodass mir aus dem Spiegel eine Vintage Inspired Braut mit Doppelbrust entgegenblickte.

Auf einem Military Ball mag so was ja noch akzeptabel sein, meine ganz persönliche Liebesheirat am Strand jedoch wollte ich erleben, ohne dass mir Massen von Pauschaltouristen, die dort den ersten Tag ihres Sommerurlaubs verbringen, vor, während und nach der Trauung irritiert auf meine 4 Brüste starren.

Ähnliches ging wohl auch Herrn Caklo durch den Kopf, er murmelte was von „mach ich weg…schneid ich hier… näh ich dort… wird perfekt! Kommst Du morgen abholen!“

Ich habe volles Vertrauen in die Fähigkeiten von Herrn Caklo und es wird eine wundervolle Hochzeit werden. Eben weil es eine echte Liebesheirat ist. Nicht trotz, sondern gerade wegen der 4 Brüste, den Detoxpflastern unter den Füssen und einem halben Schwein im Bett!

Erna in the City

Fit im Alter

„Hey there, awesome runner, have a great run today!“

Die fröhlich motivierende Stimme ist Bestandteil des wunderbaren Trainingsprogamms „von Couch-Potato zum 5 km-Lauf in 8 Wochen“.

Ich befinde mich in Woche 24 des Programms und genauso lange warte ich auch schon darauf, dass sich der Aha-Effekt beim Erreichen der für mich optimalen Laufgeschwindigkeit einstellt. Man sagt ja, dass man in der richtigen Geschwindigkeit läuft, wenn man sich dabei noch unterhalten kann, ohne außer Atem zu geraten.

Mein Gesicht nimmt bereits nach den ersten Schritten die Farbe eines warmen Erdbeertons an. Bei dem Gedanken, jetzt auch noch mit jemandem reden zu müssen, würde ich gern auflachen. Wenn ich die Luft dazu hätte.

„You`re doing great!“ mischt sich die virtuelle Trainerin in meine Gedanken.

„Komm Mädchen, das geht doch schneller“ ruft der bucklige Alte, der mir auf dem Uferweg, für dessen landschaftlichen Reize ich grade keinen Sinn habe, entgegenrollt.

„Ha! Dir mit Deinem Rollator laufe ich noch allemal davon!“ würde ich gern rufen. Wenn ich die Luft dazu hätte. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das der Wahrheit entspräche.

Ich klammere mich an „doing great!“ und den Gedanken ans Frühstück, welches am Ende meines 25-minütigen Martyriums auf mich warten würde. Mit frischen Brötchen und Nutella und – Moment, keine Brötchen mehr da. Nutella alle. Auf dem Rückweg kurz in den Supermarkt einkehren? In meinem desolaten Zustand? Auf keinen Fall! Wird eben das Brot vom Vortag aufgetoastet. Und irgendwas zum Raufschmieren finde ich sicher auch noch im Kühlschrank.

„You`ve reached the halfwaypoint!“

Hallo?! Half way?! Jetzt erst?! Spinnt die?! Wie soll ich denn jetzt noch the other way ohne Sauerstoffzelt?! Ich frag mich zum wiederholten Male, warum ich das eigentlich tue. Um fit im Alter zu sein? Aber was ist Alter? Für die zwei Elfen, die angeregt diskutierend im 10 km/h Laufschritt an mir vorbeiziehen, bin ich wahrscheinlich jetzt schon alt.

Ich ziehe die Baseballkappe tiefer ins Gesicht, raffe mich zum Endspurt auf und werde von einer ungrazilen Hausfrau überholt. „Guten Morgen“ grüßt sie freundlich. „Hmpf“ antworte ich.

„Cool down by walking for 5 minutes“. Gleichzeitig mit dem melodischen ‚Pling’, welches das Ende meines heutigen Lauftrainings einläutet, fällt mir das Nutellaglas ein, welches noch in meinem Büro steht. Schnell rein, Glas schnappen, ab nach Hause – das schaffe ich, ohne in soziale Interaktionen treten zu müssen. Ein Lächeln breitet sich über mein Erdbeergesicht aus. Laufen ist ja doch gar nicht so doof.

Von meiner Running-Play-List ertönt das erste Lied, welches eine Herzschlagrate von 80 pro Minute deutlich übersteigt.

Ich sollte etwas an meiner Playlist ändern.

Wenn ich dieses Programm absolviert habe, fange ich mit dem Trainingsprogramm „schneller laufen in 8 Wochen“ an.

Das müsste ich bis Weihnachten eigentlich schaffen.

Erna in the City.

Sushi

„Schmeckt das denn?“ fragte die ältere Dame, die hinter mir in der Supermarktkassenreihe stand und interessiert meine Sushibox beäugte, welche ich mir für die Mittagspause ausgesucht hatte. „Ja, also, mir schon“ erwiederte ich freundlich und drehte mich wieder um. Aber so schnell wurde ich aus der Nummer nicht entlassen. 

„Ist das dieses Sushi?“

„Ja genau, dieses Sushi.“  

„Und das kann man hier kaufen?“

Ich schwankte zwischen tendenziell genervt und leicht amüsiert, entschied mich für Letzeres und wedelte unbestimmt Richtung Sushistand. 

Die Schlange und ich rückten vor. 

„Und wieso ist das Crunchy?“

„Wie bitte?“

„Da steht Crunchy drauf!“ 

Die Dame hatte sich unbemerkt näher herangepirscht und tippte mit sorgfältig manikürtem Fingernagel auf mein Mittagessen. 

„Das sind dann wohl die Röstzwiebeln“.

„Da sind Röstzwiebeln drauf?!“ 

Erstmalig genoss ich mehr Aufmerksamkeit als meine Sushibox, als sie mich mit einem fasziniert-angewiederten Blick bedachte. 

„Sesam, ich meine Sesam!“ 

Irgendwie war mir gedanklich grad der Hotdog dazwischengerutscht, den ich tags zuvor in der Fressecke eines schwedischen Möbelhauses genossen hatte. 

„Und was mögen Sie da jetzt dran?“

„Die Erdnuss-Sosse.“ 

Ihr Blick wechselte von „fasziniert-angewiedert“ zu „jetzt entscheid Dich aber mal, Mädchen“. 

„Ob ich das hier auch mal kaufe?“

„Das könnten Sie tun“.

Die Fassade meiner Gelassenheit begann zu bröckeln, da nun auch die Kassiererin meine Aufmerksamkeit beanspruchte. 
„Aber nicht Crunchy“.

„€3,95 bitte“.

„Müssen Sie ja nicht“.

 Kleingeld wechselte den Besitzer, ich bereitete mich auf einen schnellen Abgang vor – „Und Erdnuss-Sosse mag ich auch nicht!“ – und dachte verzweifelt „essen Sie doch was sie wollen!“

Das letzte bisschen Haltung zusammenraffend warf ich ein „einen schönen Tag noch“ hinter mich und verliess fluchtartig das Kassengebiet. 

Wie ein fade out begleitete mich die letzte Frage, in Ermangelung meiner Person nun an die Kassiererin gerichtet…
„Und ist das auch frisch…?“ 
Erna in the City

Dr. Adobeit

„Geh mal nicht zu Frau Dr. Adobeit, die ist etwas herbe. Nimm lieber die Andere.“

Auf Anraten meiner stets besorgten Mutter vereinbarte ich neulich einen Termin in einer Augenarztpraxis. Um einfach mal alles untersuchen zu lassen. Augendruck, Netzhaut – mit zunehmendem Alter wird man ja immer leichter Opfer unzähliger Unzulänglichkeiten des Körpers.

Ich radelte also in gespannter Erwartung zur Arztpraxis und wurde sogleich von einer hübschen, wenn auch recht wortkargen Sprechstundenhilfe empfangen. Eine herbe Verwandte von Frau Dr. Adobeit?

Nach nur kurzer Wartezeit klärte mich eine weitere Person fröhlich zwitschernd über die anstehenden Prozesse auf. Definitiv nicht Frau Dr. Adobeit. Ich konnte dies nur vermuten, denn offenbar hielt man es für unhöflich, die mitunter blind umherirrenden Patienten auch noch mit konkreten Namensinformationen zu behelligen.

Über die zu erwartenden Kosten hingegen ließ man sich ungehemmt aus, € 30 müsse ich für die Netzhautuntersuchung und € 20 für die Augendruckuntersuchung hinterlegen, ich hätte doch Bargeld dabei? Ein EC-Gerät gäbe es nämlich nicht. Allerdings sei die Augendruckuntersuchung für Familienmitglieder kostenlos, und da ja meine Mutter schon mal mit einem ähnlichen Problem behandelt wurde….

Nicht, dass ich bisher ein ähnliches Problem bei mir festgestellt hätte, aber € 20 spare ich immer gern, also nickte ich eifrig. Dann wurde ich in ein leeres Zimmer geschubst, „Fenster kann offen bleiben, ja? Ist doch endlich mal so schön sonnig draußen. Frau Doktor kommt gleich.“ Zwitscherte die Praxismitarbeiterin und entschwand.

Und ließ mich allein mit der Frage, ob mit Frau Doktor wohl Frau Dr. Adobeit gemeint war? Oder doch die Andere? Während ich dieser Frage noch nachhing, öffnete sich die Tür und herein rauschte eine einschüchternd gut aussehende Frau meines Alters, umweht von dieser gewissen „ich-habe-im-Gegensatz-zu-Dir-eine-eigene-florierende-Augenarztpraxis“-Aura. Bildete ich mir das ein oder sank die Raumtemperatur grad um 1 Grad? Am offenen Fenster konnte es nicht liegen, schließlich war es ja draußen so schön sonnig.

Gegen Frau Dr. Adobeit (und es bestand kein Zweifel daran, dass es sich hier um Frau Dr. Adobeit handelte) ist ein Herr Schwarzenegger ein heller Quell der Lieblichkeit. Ich sprang auf (warum sprang ich auf!?) und bot sowohl Handschlag als auch Nachnamen dar, heilfroh, mich so weit unter Kontrolle zu haben, dass ich nicht noch einen Knicks andeutete.

„Adbt“ würgte sie mit Terminatorblick hervor, „sind Sie das erste Mal hier und warum HIER?“ „Das erste Mal und auf Empfehlung meiner Mutter“.

Bloß keine unnützen Worte verlieren und dass meine Mutter tendenziell von Frau Dr. Adobeit abgeraten hatte, schien mir jetzt irgendwie unpassend zu erwähnen. „Offenbar hat man Sie nur über die Netzhautvorsorge aufgeklärt, Augendruck kostet € 20 extra“ dozierte sie und zauberte ein Formular aus der Formularschublade hervor.  „Ja, aber nein, Ihre Kollegin…, meine Mutter… Familienmitglied…“ stotterte ich – allerdings nur in Gedanken und unterzeichnete stumm und beflissen das Formular.

„So, erstmal Augenstärke, können Sie die untere Reihe lesen? Und jetzt linkes Auge? Über 100%, da wird nichts angepasst! Sie bekommen jetzt Tropfen – nach oben schauen – hier reingucken. Fertig.  Jetzt setzen Sie sich 20-30 Minuten ins Wartezimmer, dann wird nochmal getropft, dann schau ich noch mal!“

Plötzlich befand ich mich wieder im Wartezimmer, mit leicht verschwommener Sicht, den milden Blick einer verständnisvollen Mitsitzenden auf mir ruhend, als wollte sie sagen „ja, dieser verschwommene Blick, den kenne ich gut.“

Sie wandte sich allerdings verächtlich wieder ab, als ich mein Smartphone herausholte und zu tippen anfing. Aber schließlich hatte ich nur 20-30 Minuten, um mein gerade durchlebtes Trauma schriftlich zu verarbeiten.

„Wollen Sie die € 20 jetzt doch zahlen?!“ Wie aus dem Boden gewachsen stand die zwitschernde Praxismitarbeiterin neben mir und starrte mich vorwurfsvoll an. Ertappt fuhr ich zusammen. Waren das nicht erst 5 Minuten gewesen? Und war es hier überhaupt erlaubt, mit frisch getropften Augen auf einen winzigen Bildschirm zu starren und kleine Buchstaben zu produzieren? Angelegentlich ließ ich das Handy in die Tasche gleiten und betete, dass ich dabei nicht versehentlich den delete- Knopf drückte. „Äh, ich wollte da jetzt mit Frau Dr. Adobeit nicht lange drüber diskutieren…“ Ich brauchte nicht hinzuzufügen, dass ich es gar nicht erst probiert hatte, ihre Miene wurde weich, sie nickte verständnisvoll und sagte leise „ich mach Ihnen dann mal eine Quittung fertig.“

Wieder allein gelassen nahm ich vorsichtig meine Schreibarbeit wieder auf und fuhr erneut zusammen, als die hübsche, aber irgendwie unverbindliche Sprechstundenhilfe plötzlich vor mir stand, „nachtropfen, Blick nach oben“ anordnete und sich genauso schnell wieder entmaterialisierte.

Nach meiner Berechnung hatte ich noch mindestens 20 Minuten, aber die Zeitrechnung in der Augenarztpraxis von Frau Dr. Adobeit und der Anderen unterliegt offenbar anderen Naturgesetzen. Innerhalb von weiteren gefühlten 5 Minuten wurde ich wieder in einen Behandlungsraum befördert, für fertig behandelt befunden, herbe verabschiedet und auf die Straße gesetzt, wo ich benommen ins gleißende Sonnenlicht blinzelte.

Ich glaube, es war wieder ein Grad wärmer geworden.

Effizient ist sie ja, das muss man Fr. Dr. Adobeit lassen….und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob die Andere überhaupt existiert.

Erna in the City.

 

Daphne

„Ja, Daphne haben wir da“, sagte die freundliche Mitarbeiterin aus dem Geschäft, in welches ich mich todesmutig hineinwagte, gelockt von dem Versprechen, sie führten auch Mode fern des Üblichen.

„Könnte ich das mal überwerfen?“

Leicht aus der Fassung gebracht wurde ich darüber aufgeklärt, dass man normalerweise vorher einen Beratungs- und Anprobetermin vereinbart, der dann mindestens 2 Stunden dauert und € 60,00 kostet. Aber da ich ja so konkret nach Daphne fragte, könne man durchaus auch mal eine Ausnahme machen.

Daphne wurde als Resultat ausgespuckt, als ich „coole Brautkleider“ in die Suchmaschine eingab. Schlicht, lässig, authentisch, und irgendwie New Boho Style. Erfrischend anders eben.

„Erfrischend“ war jetzt nicht das erste Wort, das mir in den Sinn kam, als ich, eingezwängt in Daphne, vor den Spiegel trat. „Ich seh aus wie Oma Mühsch“ dachte ich verzweifelt. Weit entfernt von dem leichten, fliessenden Eindruck, den Daphne im Internet vermittelt. New Boho ist dann wohl doch nicht mein Style.

„Vielleicht ist was mit Hosen ja eher was für Dich? Ich darf doch Du sagen?“ unterbrach die geduldige Verkäuferin ohne Aussicht auf Beraterhonorar meine Gedankengänge und reichte mir den Hochzeitsoverall Marlene – lässig, leger, cool, urban. „Oh ja, der sieht schick aus!“ rief ich beglückt und schleppte das coole Teil unter den kritischen Blicken einer zukünftigen Brautmutter aus der Nachbarkabine in meine Brautkleidkammer.

„Ich seh aus wie Tamara Press“ dachte ich verzweifelt, als ich, eingezwängt in Marlene, vor den Spiegel trat. „Ja, äh, schon viel besser“ verkündete ich tapfer. Der Blick der Brautmutter in Spe sprach Bände.

„Tjaha, dann – hm – vereinbare ich wohl am Besten doch mal einen Beratungstermin und bringe eine Freundin mit, bevor ich mich jetzt entscheide….“ wandte ich mich an die Verkäuferin. „Jaahaa, mach das gern, ich geb Dir mal eine Karte mit!“

Wir beide wussten, dass sie keine meiner Freundinnen je kennenlernen würde.

Zwei Erkenntnisse nahm ich mit auf dem Weg nach draussen: Brautkleidfarben verhilft nicht jedem zu einem natürlich frischen Teint und ich habe noch 167 Tage für Plan B.

Erna in the City

Meine Heilpraktikerin

Meine Heilpraktikerin sagte mir neulich „wenn Sie abnehmen wollen (und mal ehrlich, welche Frau will das nicht?), dann müssten Sie nur ein paar ganz kleine Änderungen in Ihrem Essverhalten vornehmen.“

Dann kamen viele Sätze, die mit „keine“ und „Gemüse“ und „nicht nach 19h“ anfingen.

Ich bin mir ja der Vorzüge einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, verbunden mit einem angemessenen Maß an Bewegung, durchaus bewusst, aber macht das glücklich? „Ja!“ ruft mir die Hälfte meiner Mitmenschen entgegen, die wohlgeformt und vor Energie strotzend durchs Leben marschiert. „Ja!“ rufe ich beglückt, als mir meine Heilpraktikerin nach einer komplizierten Magnetfeldmessung eröffnete, dass ich Dinkel offenbar nicht so vertrage.

Zuhause habe ich hochmotiviert sämtliche Dinkelprodukte im Mülleimer versenkt. Seitdem esse ich normales Schnittbrot. Gerne auch mal bewegungslos nach 19h. Das bringt mich meinem Wunschgewicht nicht unbedingt näher, macht aber gelegentlich sehr glücklich.

Erna in the City.

Noch ein Blog?!

„Hast Du nichts zu tun?“ fragt mich Paul, als ich mit meinem „Du, ich glaub, ich schreib einen Blog“ mitten in sein Plädoyer für einen 55-Zoll-Fernseher rein quatschte.

Paul, das ist der Mann, mit dem mir meine Kartenlegerin vor 4 Jahren eine strahlende Zukunft prophezeite.

Geschieden sei er, ein bis zwei Kinder sähe sie, man könne wunderbar mit ihm reden, er passe perfekt in mein Leben und sie erwarte ihn in ca. 1 Jahr, sagte sie.

„Wunderbar“, dachte ich, „dann hab ich ja noch ein Jahr, um mich in Form zu bringen.“

Mit Allem hatte sie recht, meine Kartenlegerin, nur daß ich Paul bereits 3 Monate später kennen lernte, was mein gesamtes Rundum-Erneuerungs-Konzept irgendwie über den Haufen warf.

Daß der beste aller zukünftigen Ehemänner immer noch an meiner Seite weilt, spricht für sich – und die Qualitäten der Kartenlegerin.

Paul, das ist auch der Mann, der in Zukunft jeden meiner geistigen Ergüsse kritiklos über sich ergehen lassen muss, bevor ich auf den „veröffentlichen“-Knopf drücke. Aber als geschiedener Vater von ein bis zwei Kindern ist er ja wohl einiges gewöhnt.

Also schreibe ich einen Blog. 2017 ist ein wunderbares Jahr, um damit anzufangen und nein, ich habe nicht nichts zu tun. Aber es ist schön, einfach nur etwas zu tun, was einem Spass macht. Einmal im Monat. Ab heute.

Erna in the city.

P.S. Der 55-Zoll-Fernseher wird nächste Woche geliefert.