Sushi

„Schmeckt das denn?“ fragte die ältere Dame, die hinter mir in der Supermarktkassenreihe stand und interessiert meine Sushibox beäugte, welche ich mir für die Mittagspause ausgesucht hatte. „Ja, also, mir schon“ erwiederte ich freundlich und drehte mich wieder um. Aber so schnell wurde ich aus der Nummer nicht entlassen. 

„Ist das dieses Sushi?“

„Ja genau, dieses Sushi.“  

„Und das kann man hier kaufen?“

Ich schwankte zwischen tendenziell genervt und leicht amüsiert, entschied mich für Letzeres und wedelte unbestimmt Richtung Sushistand. 

Die Schlange und ich rückten vor. 

„Und wieso ist das Crunchy?“

„Wie bitte?“

„Da steht Crunchy drauf!“ 

Die Dame hatte sich unbemerkt näher herangepirscht und tippte mit sorgfältig manikürtem Fingernagel auf mein Mittagessen. 

„Das sind dann wohl die Röstzwiebeln“.

„Da sind Röstzwiebeln drauf?!“ 

Erstmalig genoss ich mehr Aufmerksamkeit als meine Sushibox, als sie mich mit einem fasziniert-angewiederten Blick bedachte. 

„Sesam, ich meine Sesam!“ 

Irgendwie war mir gedanklich grad der Hotdog dazwischengerutscht, den ich tags zuvor in der Fressecke eines schwedischen Möbelhauses genossen hatte. 

„Und was mögen Sie da jetzt dran?“

„Die Erdnuss-Sosse.“ 

Ihr Blick wechselte von „fasziniert-angewiedert“ zu „jetzt entscheid Dich aber mal, Mädchen“. 

„Ob ich das hier auch mal kaufe?“

„Das könnten Sie tun“.

Die Fassade meiner Gelassenheit begann zu bröckeln, da nun auch die Kassiererin meine Aufmerksamkeit beanspruchte. 
„Aber nicht Crunchy“.

„€3,95 bitte“.

„Müssen Sie ja nicht“.

 Kleingeld wechselte den Besitzer, ich bereitete mich auf einen schnellen Abgang vor – „Und Erdnuss-Sosse mag ich auch nicht!“ – und dachte verzweifelt „essen Sie doch was sie wollen!“

Das letzte bisschen Haltung zusammenraffend warf ich ein „einen schönen Tag noch“ hinter mich und verliess fluchtartig das Kassengebiet. 

Wie ein fade out begleitete mich die letzte Frage, in Ermangelung meiner Person nun an die Kassiererin gerichtet…
„Und ist das auch frisch…?“ 
Erna in the City